Uganda Farmarbeit – meine Zeit in Ostafrika

Serie: Farmarbeit & Reise in Uganda – Teil 1

Nächster Teil: 14-tägiger Roadtrip


Transparenz: unbezahlte Links, alles selbst bezahlt – keine Kooperation.

Preise, Währungen & Regeln können sich ändern – offizielle Quellen checken! Mein Erfahrungsstand: 2025


Eigentlich wusste ich gar nicht genau, was mich erwartet, als ich Mitte März in Kamuli aus dem Auto gestiegen bin. Aus einem geplanten Pflichtpraktikum für mein Studium wurde eine Zeit, die mir eine ganz neue Perspektive gegeben hat. Zwischen Gartenarbeit, neuen Freundschaften und der unglaublichen Herzlichkeit der „Little Sisters of St. Francis“ habe ich zweieinhalb Monate lang ein Leben kennengelernt, das so gar nichts mit meinem Alltag in Deutschland zu tun hat.

Quick Facts

  • Zeitraum: Mitte März bis Anfang Juni – 2,5 Monate Farmarbeit
  • Ort: Mbulamuti, Kamuli District (Ostuganda)
  • Pflichtpraktikum/Praxissemester von meinem Studium aus – Agrarwirtschaft B.Sc.
  • Kontakt über Freundeskreis Uganda e.V. (unterstützt die St. Josephs Farm finanziell)
  • Unbezahlt, dafür Unterkunft und Verpflegung auf der Farm
  • SIM: MTN-Anbieter genutzt (eSim auch möglich, meist teurer)
  • Bargeld notwendig!
  • Wasserhygiene ernst nehmen & Mückenschutz nutzen

Die Farm – kurz vorgestellt

  • St. Josephs Integrated Farm, geführt von den Little Sisters of St. Francis
  • Mischbetrieb mit Pflanzenbau und Tierhaltung, Kreislaufprinzip
  • Anbau unter anderem Kochbananen, Mais, Bohnen, Kaffee, Mangos, Tomaten, Elefantengras (als Futterbasis für die Tiere) und vieles mehr
  • Tiere: Kühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner
  • Verkauf und Eigenversorgung

Mein Alltag auf der Farm

Mein Alltag war eigentlich nie eintönig und oft körperlich anstrengend. Nur die Sonntage waren eine Ausnahme… da im Konvent der Nonnen Ruhetag war, durften wir nichts machen außer das Nötigste, wie zum Beispiel die Tiere füttern.

Ich habe gelernt, wie man Kühe per Hand melkt und anschließend die Milch direkt eingesiebt und abgefüllt. Auch auf den Feldern gab es immer was zu tun. Wir haben den Boden per Handhacke umgegraben und alles Mögliche gepflanzt. Die Arbeitszeiten waren dabei total flexibel, was auch an der ugandischen Pünktlichkeit lag.

Aufgaben

  • Hühner füttern und versorgen, Ställe reinigen, Küken managen, Parasitenkontrolle, Dach abdichten, Löcher mit Zement schließen
  • Ziegen füttern und anbinden, Stall reinigen, Futtertröge bauen
  • Kühe treiben, Stallarbeit, Futter vorbereiten, melken per Hand, Milch sieben und abfüllen, eine Kalbsgeburt miterlebt
  • Feldarbeit: viel umgraben, Aussaat z.B. Mischkultur Mais + Bohnen, Mist ausbringen, Drainagen, Anzuchtbeete, umpflanzen, Schattierung mit Bananenrinde, …
  • Passionsfruchtgerüste bauen, Pfosten gegen Termiten behandeln, Erdnüsse ernten
  • Einblicke in Pflanzenschutz: Rückenspritze mit chemischen Mitteln, später einfach hergestellten organischen Pflanzenschutz kennengelernt
  • Krankheitsfälle versorgt: einer Kuh Glukose verabreicht, Hautprobleme bei einem Kalb behandelt & bei Schweinen Medikamente gespritzt (Ausbruch Afrikanische Schweinepest)

Arbeitszeiten

  • Flexibel je nach Aufgabe
  • Manchmal 6–20 Uhr mit Pausen
  • Manchmal 10–18 Uhr mit Pausen
  • Zeitverständnis/Pünktlichkeit ist anders Wartezeiten einkalkulieren oder selbst zu spät sein 😉

Unterkunft & Verpflegung

  • Abgeholt vom Flughafen, vor Ort viel zu Fuß und mit Boda-Boda (teilweise selbst gefahren)
  • Eigenes Zimmer mit kleinem Bad – im Gebäude mit ca. 35 Mädels die dort unterrichtet worden sind
  • Strom & fließend (kaltes) Wasser oft ausgefallen → Eimerdusche
  • Gegessen wurde auf der Farm gemeinsam mit den Schwestern

Sicherheit, Kultur & Sprache

Ich habe mich in Uganda, auch außerhalb der Farm, immer sehr sicher gefühlt. Man muss sich nur darauf einstellen, dass man als „Mzungu“ (Weiße) extrem viel Aufmerksamkeit bekommt. Überall wird einem hinterhergerufen oder gewunken – das ist am Anfang ganz lustig, kann aber auf Dauer auch mal anstrengend sein.

Die Menschen sind wahnsinnig offen, hilfsbereit und gastfreundlich. Ich habe in meiner Zeit auch ein bisschen Lusoga gelernt, was bei den Einheimischen super ankam. Mein wichtigster Tipp: Immer offen sein, die Gastfreundschaft annehmen und die lokalen Traditionen respektieren, auch wenn einem manches erst mal fremd vorkommt.


Lokales Essen

Das Essen in Uganda war für mich ein echtes Highlight. Wir haben auf der Farm meistens das gegessen, was gerade Saison hatte oder frisch geerntet wurde. Gekocht wird ganz traditionell über dem offenen Feuer oder mit Holzkohle, manchmal auch mit Gas.

Mir persönlich ging es in dieser Zeit körperlich extrem gut, was sicher an der Kombination aus dem frischen, unverarbeiteten Essen und der vielen Bewegung lag. Es ist ein krasser Unterschied zu Deutschland, wo so vieles industriell verarbeitet ist. Ich hatte das Gefühl, dass diese natürliche Lebensweise dort viele Menschen bis ins hohe Alter richtig fit hält.

Meine kulinarischen Highlights:

  • Chapati: Mein absolutes Lieblingsessen! Die Fladenbrote werden frisch an der Straße zubereitet. Diese Stände findet man überall.
  • Matoke (Kochbananen): Das Nationalgericht schlechthin. In ganz vielen Varianten gehört es für viele Menschen zum täglichen Essen. Meist mit Bohnen, Erdnusssauce oder Fisch/Fleisch.
  • Posho: Ein fester Maisbrei, der zusammen mit Bohnen in vielen Schulen täglich auf den Tisch kommt, da er günstig ist und lange satt macht.
  • Frisches vom Markt: Von riesigen Jackfruits über süße kleine Bananen bis hin zu Cassava (Maniok), den wir oft selbst geschält und vorbereitet haben.

Gesundheit & Einreise – so war’s bei mir

  • Visum Tourist/Visitor für 90 Tage kostet 50 US-Dollar
  • Auslandskrankenversicherung (ich hatte die von Dr-Walter)
  • Gelbfieber-Impfung – für das Visum erforderlich
  • Zusätzlich Tollwut und Typhus geimpft (nicht zwingend notwendig)

Malaria

Ich habe keine Prophylaxe genommen und stattdessen abends Mückenschutz genutzt (AntiBrumm, lange Kleidung, Moskitonetz zum Schlafen)

Meine Erfahrung/Meinung

Malaria-Prophylaxe ist sehr individuell: Wirkstoffe, Nebenwirkungen und erlaubte Einnahmedauer unterscheiden sich. Manche vertragen sie gut, manche nicht. Für meine Situation gab es nach Rücksprache mit erfahrenen Leuten vor Ort und zu Hause keine passende Option, deshalb habe ich darauf verzichtet und es auch nicht bereut. Zum Glück habe ich kein Malaria gehabt, aber wenn doch, wusste ich, dass Malaria dort häufig ist und medizinisch gut behandelt wird

Hinweis

Das ist keine Empfehlung und keine medizinische Beratung. Lass dich vor der Reise professionell beraten und mach die Entscheidung an Route, Dauer, Saison, persönlichem Risiko und Vorerkrankungen fest


Geld & Alltag

  • Uganda-Schilling (UGX) bar; immer verhandeln
  • Mobile Money per App möglich (vorher mit Bargeld aufladen)
  • XE-App für Umrechnung hilfreich
  • Kosten bei mir: Flug ca. 600 €, Visum ca. 50 €, Versicherung ca. 150 €, ansonsten sehr wenig Ausgaben
  • Erasmus-Stipendium erhalten, Rest gespendet

Was ich gelernt habe

  • Körperliche Arbeit macht glücklich
  • Kreislaufdenken – nichts wird verschwendet, alles hat einen Zweck
  • Melken und Tierpflege als tägliche Verantwortung
  • Mischkultur und Wassermanagement auf Feldern, viel Handarbeit, wenig Maschinen
  • Geduld und Flexibilität bei Zeit und Planung

Am schönsten & am schwierigsten

  • Schwierig: dauernde Aufmerksamkeit durch anderes Aussehen, häufige Fragen nach Geld oder sogar Heirat (wegen Geld!), in starker Armut „mitten drin“ zu sein
  • Schön: die Gastfreundschaft, die Arbeit selbst, eine Kalbsgeburt miterlebt, viele offene Gespräche & im Nachhinein besseres Wertschätzen banaler Dinge in Deutschland wie Wasser, Strom, Sozialleistungen, Bildung, …

Tipps

  • Nicht mit viel Bargeld rumlaufen
  • Immer verhandeln
  • Moskitospray abends, Sonnencreme tagsüber
  • Leichte Regenjacke in der Regenzeit
  • Bequeme Schuhe
  • Kopien von Pass und Impfheft dabei haben
  • Vor Anreise Farmkontakt & Abholung/Anreise klären, SIM & Bargeld
  • Kultur annehmen, lernen statt urteilen

Kontakt: Hast du Fragen? Schreib mir gern – ich antworte!

Weiterlesen:

  • Uganda #2 – Roadtrip durch Uganda
  • Uganda #3 – Details Rote mit Bilder

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